„Machtergreifung“ (die)

Von den Nationalsozialisten geprägter Begriff für die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg am 30.1.1933. Der Begriff wurde rasch populär und findet sich 1934 erstmals im Duden. Besondere Konjunktur hatte er in der Nachkriegszeit, um das mit dem Vorgang verbundene Unrecht zu kennzeichnen.

Für viele Zeitgenossen assoziierte der Begriff dagegen Aktivität und den Willen zur Machteroberung, die Hitler im Zusammenhang mit dem 30.1.1933 zugeschrieben wurden. Das NS-Führungspersonal selbst sprach allerdings viel häufiger von einer „Machtübernahme“, um die formale Legalität des Vorgangs zu betonen (Pseudolegalität*).

In der neueren Geschichtsforschung dominiert der Begriff „Machtübertragung“, wodurch ein stärkerer Akzent auf die Rolle Hindenburgs und der traditionellen Machteliten gelegt wird. In größerem Zusammenhang bezeichnet „Machtergreifung“ auch die an die Ernennung Hitlers anschließende Phase des Aufbaus der Diktatur bis zum Sommer 1934.

NSDAP (die)

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 1920 durch Umbenennung aus der „Deutschen Arbeiterpartei“ (DAP) hervorgegangene und seit 1921 von Adolf Hitler geführte Partei mit extrem nationalistischem, antikommunistischem, antisemitischem und antidemokratischem Programm.

Pseudolegalität (die)

Taktik der NSDAP*, die darauf abzielte, die bestehende Ordnung der Weimarer Republik* unter dem Anschein der Rechtmäßigkeit (Legalität) zu überwinden.

„Gleichschaltung“ (die)

Ursprünglich ein Begriff aus der Elektrotechnik. Im übertragenen Sinn bezeichnete er im Nationalsozialismus* den Prozess der sukzessiven Aufhebung des Pluralismus* in Staat und Gesellschaft sowie die Vereinheitlichung des gesamten politischen und gesellschaftlichen Lebens (z. B. Parteien, Verbände, Organisationen, Medien) im Sinne der NS-Ideologie*.

Diktatur (die)

Alleinherrschaft einer Person, einer kleinen Gruppe von Politikern oder einer Partei, bei der ein friedlicher Machtwechsel (z.B. durch Wahlen) ausgeschlossen ist. Es gibt keine durch Menschen- und Bürgerrechte* garantierte Privatsphäre, die dem staatlichen Zugriff entzogen ist, und Oppositionelle werden verfolgt, inhaftiert oder ermordet.

Massenmobilisierung (die)

Mittel rechts- und linksradikaler Diktaturen*, um durch gesteuerte, öffentliche Massenveranstaltungen Faszination für das Regime zu wecken und Massenloyalität* herzustellen bzw. massenwirksam zu inszenieren.

Massenorganisation (die)

Nationalsozialistische Massenorganisationen waren z.B. die Hitlerjugend* (HJ), der Bund deutscher Mädel* (BdM) und die Deutsche Arbeitsfront* (DAF). Sie dienen der ideologisch-propagandistischen Beeinflussung möglichst vieler Bürger.

Vierjahresplan (der)

1936 von Hitler verordnetes Wirtschaftsprogramm des Nationalsozialismus* mit dem Ziel, bis 1940 die deutsche Wehrmacht* „einsatzfähig“ und die deutsche Wirtschaft „kriegsfähig“ zu machen.

Aufrüstung (die)

Vorgang, bei dem ein Staat seine Militärausgaben erhöht mit dem Ziel der Vergrößerung seiner Streitkräfte und der Modernisierung seines Waffenarsenals.

„sozialer Volksstaat“ (der)

Von Hitler genutzter Begriff zur Bezeichnung der NS-Sozialpolitik, durch die z.B. mittels der „Arisierung“* bei der Bevölkerung Massenloyalität* gegenüber dem NS-Regime aufgebaut werden sollte.

Propaganda (die)

Sie will das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen beeinflussen und sie so in eine bestimmte Richtung lenken. Besonders Diktaturen nutzen Propaganda, um die Menschen in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Personenkult (der)

Übersteigerte Verehrung einer einzelnen Person, die Vorbildfunktion für eine Gesellschaft einnimmt. Kennzeichen vieler Diktaturen (z.B. Hitler-Kult).

Massenkultur (die)

Kulturformen, die ein Massenpublikum mithilfe von modernen Massenmedien (Rundfunk, Kinofilm) erreichen wollen.

Terror (der)

Planmäßige Verbreitung von Angst und Schrecken durch Gewalt mit dem Ziel, Menschen ein gewünschtes Verhalten aufzuzwingen.

Konzentrationslager (das)

Instrument des NS-Staates, um Menschen aus politischen, religiösen oder rassischen Gründen zu inhaftieren, zu misshandeln und zu ermorden. Ab 1941 Einrichtung spezieller Vernichtungslager im besetzten Osteuropa.

Verfolgung (die)

Teil des Terrors*, der gegen politische Oppositionelle, aber auch gegen „rassisch minderwertige“ Gruppen ausgeübt wurde.

„Euthanasie“ (die)

Nationalsozialistische Bezeichnung für die systematische Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen (Aktion T4).

Deportation (die)

Verschleppung von Menschen gegen ihren Willen in Konzentrations- und Vernichtungslager oder zur Zwangsarbeit.

„Umvolkung“ (die)

Nationalsozialistischer Begriff für die rassistische Neuordnung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten Osteuropas durch Aussiedlung und Vernichtung der ansässigen Bevölkerung und Ansiedlung „deutscher Volksgenossen“.

Rassendiktatur (die)

Bezeichnung für das NS-System, das seine Herrschaft und Verfolgungspraxis auf rassistischen Kriterien aufbaute und die „Höherwertigkeit“ der „Arier“ gegenüber „Minderwertigen“ postulierte.

SA (Sturmabteilung)

Uniformierter Ordnertrupp der NSDAP. Zu ihren Aufgaben gehörten der Schutz von Parteiveranstaltungen und der Terror gegen politische Gegner.

SS (Schutzstaffel)

Eliteorganisation der NSDAP unter Heinrich Himmler. Verantwortlich für den Terrorapparat und maßgeblich am organisierten Massenmord (Holocaust) beteiligt.

Geheime Staatspolizei (Gestapo)

Politische Polizei zur Bekämpfung von Oppositionellen. Konnte Inhaftierungen ohne gerichtliches Verfahren anordnen (Schutzhaft).

Gefälligkeitsdiktatur (die)

Diktaturtypus, der durch materielle Vorteile und soziale Vergünstigungen für die privilegierte „Volksgemeinschaft“ Massenloyalität sicherte.