Kommunismus (der)

Kommunismus (der; weiteres Subst. der Kommunist; Adj. kommunistisch): klassenlose Gesellschaft ohne Privatbesitz an Produktionsmitteln. Nach marxistischer Lehre wird die Aufhebung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft durch eine Revolution eingeleitet und endet nach einem Übergang mit der Diktatur des Proletariats. Der Kommunismus als politische Bewegung wurde seit der Oktoberrevolution stark von der Sowjetunion geprägt.

Kommunismus: (lat. communis = gemeinsam, allgemein). Im weiteren Sinn philosophisch-politische Bewegung, die auf Karl Marx zurückgeht. Der Kommunismus strebt eine dauerhafte revolutionäre Umgestaltung der Welt und die Aufhebung der Ausbeutungsbeziehungen zwischen Menschen an (klassenlose Gesellschaft*). Der Kommunismus wurde erstmals staatlich organisiert durch die russische Oktoberrevolution 1917. Das sowjetische kommunistische System ist in der Politik gekennzeichnet durch die „ Diktatur des Proletariats“, ausgeübt durch die bestimmende Rolle der kommunistischen Partei. In einer vom Staat zentral gelenkten Wirtschaft („Planwirtschaft“ oder „Zentralverwaltungswirtschaft“) wird das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft und in Staatseigentum überführt. Im engeren Sinn utopische Gesellschaftsform, in der nach der Übergangsphase des Sozialismus der Klassenkampf* aufgehoben ist, die Produktionsmittel in Gemeinbesitz überführt worden sind und die Menschen selbstbestimmt in konfliktfreier Kooperation miteinander leben und arbeiten.

Klassenkampf (der)

Klassenkampf: Nach der Theorie des Marxismus-Leninismus Kampf zwischen Herrschenden und Beherrschten, Besitzern von Produktionsmitteln und eigentumslosen Unterschichten, im Kapitalismus zwischen Bourgeoisie* und Proletariat*. Der Klassenkampf endet erst in der Phase des Kommunismus*.

Klasse: Streng voneinander getrennte soziale Gruppen, die durch die Stellung des Einzelnen im Produktionsprozess bestimmt werden. Marx spricht von dem unüberbrückbaren Gegensatz von Proletariat* und Bourgeoisie*, der sich im Zuge der Industrialisierung* einstellte.

Ganz allgemein spricht man von einer Klassengesellschaft, wenn die Grenzen zwischen den einzelnen sozialen Gruppen der Industriegesellschaft sehr stark ausgeprägt sind (siehe auch Klassengesellschaft* , Schicht*, Milieu*).

Kaderpartei (die)

Kaderpartei: Autoritär geführter, streng hierarchisch organisierter Typus von Parteien, die für links- und rechtsextreme Diktaturen* kennzeichnend waren.

Kaderpartei bezeichnet eine hierarchisch aufgebaute Partei, in der politisch intensiv geschulte und ausgewählte Führungskräfte (Kader) die Parteilinie vorgeben. Im Selbstverständnis der kommunistischen Kaderparteien ist nur die geschulte Parteiführung in der Lage, die richtige, für alle Mitglieder verbindliche Politik vorzugeben.

Kader: Bezeichnung der Kommunisten für leitende Personen im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben.

Antipluralismus (der)

Antipluralismus: Haltung, die die Vielfalt von konkurrierenden Ideen, Werten und Weltanschauungen in einer Gesellschaft ablehnt. Antipluralistische Gesellschaften sind meist Diktaturen, in denen von der politischen Führung ein Wertekanon und eine Weltanschauung als für alle verbindlich erklärt werden und abweichendes Verhalten bestraft wird.

„Diktatur des Proletariats“ (die)

Diktatur des Proletariats: Nach Lenin eine Staatsform in der Übergangsphase des Sozialismus* nach vollzogener proletarischer Revolution*, in der die politische Macht in den Händen einer kaderartig organisierten, straff geführten und hierarchisch aufgebauten Arbeiterpartei liegt, die die Interessen des Proletariats* durchsetzen , die Bourgeoisie* entmachten und den Übergang zum Kommunismus* herbeiführen soll.

klassenlose Gesellschaft (die)

Klassenlose Gesellschaft: Zentralbegriff des Marxismus*, der die utopische Vorstellung einer idealen, konfliktfreien Endgesellschaft im Kommunismus* beschreibt, in der gesellschaftliche Klassen* und alle Formen des Klassenkampfs* aufgelöst seien. Da es keinen Privatbesitz an Produktionsmitteln mehr gebe, sei auch der Staat nicht mehr notwendig.

sozialistische Revolution (die)

Sozialistische Revolution: Voraussage von Karl Marx, wonach die Widersprüche des kapitalistischen Systems zwangsläufig zu einer Revolution* durch das ausgebeutete und verelendete Proletariat* und zur Etablierung einer Diktatur des Proletariats* führen werde.

Sozialistischer Realismus (der)

Sozialistischer Realismus: Ideologisch motivierter, gattungsübergreifender Kunststil, der seit 1932 in der Sowjetunion und nach dem Zweiten Weltkrieg auch in anderen sozialistischen Ländern verbindlich wurde. Ziel war die pseudo-realistische Darstellung der Wirklichkeit zu Propagandazwecken, die der Verherrlichung kommunistischer Werte in der Lebens- und Arbeitswelt der Menschen diente.

Antiindividualismus (der)

Antiindividualismus: Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa verbreitete und von der NS-Ideologie aufgegriffene Idee, der zufolge der Einzelne sich – im Gegensatz zum bürgerlichen Individualismus – in die Volksgemeinschaft* einzuordnen und ihr zu unterwerfen hab . Dem Antiindividualismus zufolge besitzt das Individuum keine unveräußerlichen Menschen- und Bürgerrechte*, sondern entwickelt seine Potenziale nur unter Verzicht auf seine Individualität durch ein Handeln im Einklang mit der Gemeinschaft („Du bist nichts, dein Volk ist alles.“).

Lenin, Wladimir Iljitsch (1870–1924)

Lenin, Wladimir Iljitsch (1870–1924), russ. Revolutionär und Politiker, der als Anführer entsprechend seiner Theorie des Marxismus-Leninismus eine revolutionäre Umgestaltung Russlands durch Berufsrevolutionäre organisierte; nach der gewaltsamen Oktoberrevolution etablierte er die bolschewistische Regierung.

Totalitarismus (der)

Totalitarismus: Herrschaftsform, die die totale Verfügungsgewalt über sämtliche Lebensbereiche beansprucht. Das politikwissenschaftliche Konzept betont beim Vergleich von Nationalsozialismus und Stalinismus trotz ideologischer Gegensätzlichkeit die Gemeinsamkeiten in der Herrschaftspraxis (z.B. Einparteiensystem, Führerprinzip, Massenmobilisierung, staatlich kontrollierte Massenmedien, Staatsterror, staatlich gelenkte Wirtschaft).

Totalitäre Diktatur: System, das durch Ideologie, Propaganda und Terror die „Zustimmung“ der Massen zu einer Partei oder einem Führer erzeugt und dabei alle Andersdenkenden gewaltsam unterdrückt.